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70 Jahren Gedenken an den

Überfall auf das Forsthaus Klusweide




Am 20. Juli 1945, auf den Tag genau ein Jahr nach dem missglückten Stauffenberg- Attentat auf Adolf Hitler, ereignete sich
ca. drei km von Buke, am Standort des Schwaneyer Forsthauses Klusweide ein schrecklicher Überfall. Das alte fürstbischöfliche Weidegebiet an der Katharienenklus im östlichsten Winkel der Gemarkung Schwaney war Ort des Geschehens.

Fünf Menschen verloren ihr Leben: Maria Versen, Ludwig Fiege, Franz Ludwig Fiege, Franz Bielefeld und
Wolfgang Forstreuter. Bereits am 29. November 1944 belegten feindliche Bomber die Klusweide mit einem
Bombenteppich, aber jetzt kehrte der Schrecken des Krieges mit aller Macht zurück.
Am frühen Morgen dieses 20. Juli 1945 hatte sich gegen 6 Uhr ein LKW mit einer Gruppe von etwa
sechs - acht Russen (zwei weibliche), die wahrscheinlich in den Panzerkasernen in Paderborn untergebracht waren, aus Richtung Schwaney kommend, dem Forsthaus genähert und waren unbemerkt durch den Stall in das Wohnhaus eingedrungen.
Einer der am Überfall beteiligten Russen war offensichtlich ortskundig. Er hatte eine auf Klusweide arbeitende Russin,
die mit ihrer Situation unzufrieden war, öfter besucht. Alle Hausbewohner, bis auf Frau Peters, die in der Küche arbeitete,
schliefen noch, als die Russen in das Haus eindrangen.
Sie schlugen Frau Peters und forderten sie auf, alle anderen zu wecken. Diese wurden dann mit gezogenen
Pistolen auf eine Veranda in der Nähe der Haustür getrieben, wo sie niederknien und sich reglos verhalten mussten.
Auf dem Weg dorthin wurde Revierförster Fiege, der an Magengeschwüren litt und sich nicht so schnell bewegen
konnte, durch einen Schuss in die Brust getötet.






 
Klusweide2
Blick auf Klusweide wie es Damals war.

Danach durchwühlten einige Eindringlinge sämtliche Räume. Brauchbares wurde mitgenommen und Ess- bares zerstört. Nach etwa einer Stunde drängte einer der Plünderer, der wohl befürchtete, dass Schwaneyer Waldarbeiter sich dem Forsthaus näherten, zum Aufbruch.

 

Mehrere Russen trieben die Bewohner in die Waschküche im Keller und gaben den Befehl, bis zehn Uhr dort zu bleiben,
und drohten jeden, der diesen Befehl nicht einhielt, zu erschießen. Einen Augenblick später rief einer der Russen: „Alle kaputt“.
Wahrscheinlich war es der ortskundige Russe, der erkannt worden war.

Mehrere Russen schossen dann wiederholt - einer mit einem Gewehr - die anderen mit Pistolen in die Waschküche hinein.
Nach Ludwig Fiege, (geb. am 31.08.1895) der kurz vorher erschossen war, wurden jetzt die anderen oben genannten Personen
durch Kopfschuss getötet.

Frau Peters wurde durch einen Lungendurchschuss schwer verletzt. Unter schwierigsten Bedingungen konnte
sie nach Bad Driburg gebracht werden, wo sie dank der vorbildlichen ärztlichen Versorgung von
Oberregierungs- und Medizinalrat Dr. Ferdinand Hoffschulte, gestorben 1979, überlebte.
Renate Fiege und Karl Heinz Pennig überlebten, weil sie für tot gehalten wurde. Sie hatten teilweise unter den
blutenden Toten gelegen. Renate Fiege fand danach zunächst Herberge in Buke.
Revierförster Emil Peters erlitt einen Trommelfellriss.

Insgesamt wurden 36 Geschosshülsen im Keller gefunden. Ludwig Fiege und dessen Sohn Franz Ludwig
(geb. am 08.03.1931) sowie Franz Bielefeld, (geb. 1897 zu Wanne-Eikel) und Maria Versen (geb. am 22.02.1926 zu Buke)
sind in Buke beerdigt worden. Wolfgang Forstreuter wurde zunächst auf dem evangelischen Friedhof in Bad Driburg,
später als ehemaliger Soldat auf dem Soldatenfriedhof Brakel zur letzten Ruhe gebettet. Nach dem Krieg wollte er Theologie studieren.
Eine Nachforschung bzw. Verurteilung hatte nicht stattgefunden, die scheußliche Tat blieb für immer ungesühnt.

 

 


 

 

 

 

 

 

 

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Gedenktafel